Die Modeschöpferin Katia Marinello ist ein Fixstern am Modehimmel. Man braucht nur ihr Geschäft zu betreten und fühlt sich sofort in eine Welt versetzt, wo Stil und Eleganz ganz natürlich sind. Gerne vertraut man ihren Tipps, weil Katia nach nur einem Blick erkennt, welcher Typ man ist und wie man sich am besten zur Geltung bringt. Es ist nicht nur eine Frage des Outfits, sondern noch etwas anderes, was darüber hinausgeht und schnell überzeugt. Jedes Jahr gelten ihre Modeschauen als echtes Event, bei dem sich Schauspiel, Tanz, Folklore, Raffinesse und Geschmack vereinen und sich in einem außergewöhnlichen Erlebnis präsentieren.

 

Ich stelle mir Sie als Kind vor, als Sie mit den Barbies Modeschauen veranstalteten. War das so?

 

Ja, auch. Stellen Sie sich nur vor, dass ich schon mit 1 1/2 Jahren Zicken machte, wenn ich schöne Vorhänge sah, und zum Weinen anfing, weil ich so ein Kleidchen wollte. Meine Oma, die sehr gut nähen konnte, suchte dann einen ähnlichen Stoff und erfüllte mir meinen Wunsch. Für mich war es das schönste Geschenk. Ein paar Jahre später sagte ich bereits zu meiner Mutter: „Dieser Rock oder dieser Pullover steht dir nicht … und außerdem zog ich mich keinesfalls an, wenn ich nicht die dazu passende Unterwäsche hatte“.

 

Eine kleine Modeschöpferin in den Kinderschuhen …, doch wie ist die Kreativität dann entstanden? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte.

 

Ich bin Vermessungstechnikerin und dann war ich an der Fakultät für Architektur in Venedig, doch meine Leidenschaft gilt dem Theater, der Bühnenkunst. Um also meine Kenntnisse zu vertiefen, ging ich nach Rom und studierte an der Akademie Mario Riva. Dort wurde ich zu einer Art Beraterin, da man mir die Wahl der Theatergewänder für die Bühne anvertraute. Die Liebe holte mich jedoch wieder nach Hause. Ich heiratete, doch verließ nie die Theaterwelt. Bald kannte man mich überall, ich war Stylistin bei der Werbung, während Freunde und Verwandte mir die Wahl ihrer Kleidung überließen. Im Endeffekt beschloss ich dann, ein Geschäft zu eröffnen. Nach und nach konnte ich auch ein paar meiner Entwürfe verwirklichen. Ich fand einen Handwerker, der für mich begann, schmuckbesetzte Schuhe zu fertigen, die mit Swarovski-Steinen bereichert waren, welche in geduldiger Gewandtheit händisch angenäht wurden: einer nach dem anderen. Sie hatten so großen Erfolg, dass ich begann, sie in ganz Italien zu verkaufen. Ich hatte zwei Unterhändler. In der Zwischenzeit war ich weiterhin als Beraterin für die Werbung gefragt. Alles hat so begonnen, aus Leidenschaft.

 

Wie sind Sie zum Union Lido gekommen?

 

Dank meines Vaters, und da muss ich, denke ich, etwas weiter ausholen und von Ferdinando Marinello erzählen, der wirklich eine neue Form der Gastfreundschaft erfand. Vor vielen vielen Jahren, als die Urlauber mit einem Motorrad und einem kleinen Zelt zum Campingplatz kamen, war mein Vater Bäcker und brachte ihnen auf dem Fahrrad Brot, während Giovanni Cattel Käse lieferte. Sie unterhielten sich mit den Urlaubern und beschlossen, am Abend für ein bisschen Unterhaltung zu sorgen. Mein Vater holte einen Freund mit der Ziehharmonika. Diese Abende wurden in Kürze zu einem denkwürdigen Ereignis und manch einer fragte, ob es einen Ort gab, an dem man beim Genuss von heimischen Spezialitäten die Treffen ausklingen lassen konnte. So bat mein Vater seine Frau, für eine fünfköpfige Gruppe panierte Sardinen mit Kartoffeln und einen ersten Gang mit Fisch zuzubereiten. Aus den fünf Gästen wurden zehn, dann zwanzig und 1960 konnte mein Vater am Abend sogar 1200 Gedecke zählen. Meine Mutter, ihre vier Schwestern und meine Großmütter kümmerten sich um das Kochen.

Man begann von Fernando Marinellos Stil zu sprechen, der nach dem Essen nicht die klassische Rechnung brachte, sondern sich zu den Gästen setzte und eine Flasche spendierte, sich mit den Tischgenossen unterhielt, mit jedem, ohne Unterschiede zu machen. Manche warteten auch eine Stunde auf die Rechnung, um mit ihm plaudern zu können. Er führte dieses Restaurant in Cà Ballarin 25 Jahre lang, bis ihn Frau Dr. Macola fragte, ob er das Lokal übernehmen wollte, das noch heute „La Fattoria“ genannt wird, beim Sporting Center. Er zog sich erst 1989 aus Gesundheitsgründen aus seinem Betrieb zurück. Sein Beiname war: „Der Freund der Touristen“. Er war Präsident des Tourismusförderverbands Proloco, Referent, wurde in Büchern über das Küstengebiet Cavallino erwähnt, wie jemand, der einen eigenen Stil der Gastfreundschaft zu entwickeln gewusst hatte.

 

Jetzt wieder zu Ihnen: Wie kommt man von der Gastronomie zur Mode?

 

Ich arbeitete mit meinem Vater zusammen. Tagsüber war ich Kellnerin, nachts lernte ich und widmete mich dem Theater. Ich entwarf Mäntel und Kleider für einige Unternehmen, doch ich träumte davon, selbständig zu sein. Im Union Lido gab es ein kleines Geschäft und ich übernahm es. Natürlich war die Tatsache, die „Tochter von Fernando“ zu sein, mein Passierschein. Die Leute besuchten mich und allmählich lernten sie mich kennen. Sie trauten mir und meinem Modegeschmack. Von meinem Vater hatte ich gelernt, die Touristen als Freunde zu betrachten. Nun, ich arbeite keine Outfits für Kunden aus, sondern gebe Freunden und Freundinnen Tipps, ich versuche ihnen zu helfen, sich wohl zu fühlen, den eigenen und ganz persönlichen Stil zu finden. Das macht mich zufrieden. Das ist der Sinn meiner Arbeit.

 

Erzählen Sie uns von Ihren Modeschauen, die wahre Events sind…

 

Ich habe versucht, mit einem Konzert im Union Lido, alternative Modeschauen entstehen zu lassen, die vom klassischen Defilieren abweichen. Die Menschen sind im Urlaub und müssen etwas Neues sehen, das sie zum Staunen bringt. So bestelle ich z. B. eine Tanzgruppe, die jetzt in Jerusalem auf Tournee ist und dann nach Dallas reist.

 

Wie viele Outfits kreieren Sie?

 

Etwa hundert und jedes von ihnen muss interpretiert werden, um die richtige Atmosphäre zu schaffen, muss zu „einem Spektakel“ werden.

 

Wie viele Marken findet man in Ihrer Boutique?

 

Nur was die Bademode anbelangt etwa 40. Ich bin ständig auf der Suche, denn da ich eine internationale Kundschaft habe, muss ich stets innovativ sein und etwas Anderes bieten, sowie eine große Auswahl, die mehrere Stile oder Ansprüche zufriedenstellt.

Ich habe Kundinnen, die extra zu mir kommen, um zu Saisonbeginn ihre Sommergarderobe aufzupeppen und im September ihre Winterkleidung kaufen.

 

Was ist für Sie die größte Genugtuung?

 

Die Mails, in denen man mir für die Freundlichkeit und Professionalität dankt. Manchmal fragt man mich auch im Winter aus Deutschland oder Dänemark um einen Rat bei einem besonderen Outfit, das es im Rahmen eines speziellen Events zu präsentieren gilt.

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