Hundert Jahre sind seit dem Ersten Weltkrieg vergangen und das Gesicht Europas hat sich seither grundlegend verändert. Völker, die einander einst unerbittlich bekriegten, verbringen heute gemeinsam ihren Sommerurlaub an den Stränden von Cavallino-Treporti und genießen hier die bezaubernde Kulisse Venedigs und der Lagune. Doch so unglaublich das heute auch scheinen mag – in ebendiesen Gewässern trafen einst Kriegsschiffe aufeinander und auf ebendiesem Boden kämpften die Streitkräfte der Entente gegen jene der Mittelmächte.

In der venezianischen Ebene sind die Spuren dieses ungeheuerlichen Konflikts inzwischen weitgehend verschwunden. Im Küstengebiet finden sich hingegen nach wie vor zahlreiche Zeugnisse aus der Zeit des Krieges, darunter ein dichtes Netz an Befestigungsanlagen, Küstenbatterien, Kasernen, Pulverkammern, Messtürmen und vielem mehr…

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde im Zuge eines allgemeinen Verteidigungsplans für Venedig zum Schutz gegen mögliche Angriffe vom Meer der Bau neuer Küstenbatterien beschlossen. Sie sollten im Stande sein, auch die inzwischen aus immer schnelleren und besser bewaffneten Schiffen bestehenden modernen Flotten abzuwehren. Im Jahr 1909 startete somit das ehrgeizige Projekt, das Befestigungsanlagen auf allen Küstenabschnitten vorsah, die Venedig Schutz boten.

An der Küste von Cavallino, dem östlichsten Punkt, begann man mit den Arbeiten an drei Küstenbatterien: der Vettor Pisani, der San Marco und der Radaelli. 1915 wurde darüber hinaus die Errichtung der Batterie Amalfi in Angriff genommen. Die ersten drei wurden zwischen 1909 und 1914 schrittweise fertiggestellt, während die Arbeiten an der mächtigsten Anlage, Amalfi, bis Mai 1917 andauerten. Der Militärkomplex bestand alle technischen Kontrollen und kam erstmals kurz vor dem Durchbruch bei Caporetto und von da an in vollem Umfang zum Einsatz.

Für die Errichtung der Anlagen wurden zuerst große Überschwemmungsgebiete trocken gelegt und Häfen für die Versorgung mit Material gebaut. Gleichzeitig wurden sowohl das Straßen- als auch das Stromnetz ausgebaut und eine Schmalspurbahn (Feldbahn) angelegt, die beinahe das gesamte Küstengebiet abdeckte.

In Folge präsentierte sich Cavallino-Treporti Anfang des 20. Jahrhunderts als eine einzige enorme Baustelle, auf der tausende von Bauarbeitern, Anlagentechnikern und militärischen wie zivilen Fachkräften beschäftigt waren. Zum Zeitpunkt des Eintritts Italiens in den Krieg im Mai 1915 war das neue Verteidigungssystem rund um Venedig bereits in vollem Umfang einsatzbereit.

Es übte damit eine stark abschreckende Wirkung auf die österreichisch-ungarische Flotte aus, die es trotz der relativen Nähe der Häfen von Pola und Triest nie wagte, der mächtigen Küstenartillerie der Serenissima die Stirn zu bieten.

Um jedoch die historische Karte der gesamten Festungsanlage von Cavallino-Treporti kenne zu lernen, verweisen wir Sie auf das PDF „Cavallino-Treporti zur Zeit des ersten Weltkriegs“, von Furio Lazzarini entwickelt, welches noch weitere historische Gebäude von großem Interesse inkludiert, wie die Vettor Pisani und die Amalfi Batterie, die im Moment restauriert werden (siehe video).

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